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http://www.sbf.admin.ch/htm/
dokumentation/publikationen/
sbf/Postulat_Fehr-d.pdf
Bericht in Erfüllung des Postulats 06.3321, Fehr Jacqueline vom 22. Juni 2006
vom Staatssekretariat für Bildung und Forschung SBF, Bern, September 2009
Der nachfolgende Bericht antwortet auf Fragen des Postulats (06.3321) von Jaqueline Fehr, das der Nationalrat am 6. Oktober 2006 an den Bundesrat überwiesen hatte.
In ihrem Postulat verweist Jacqueline Fehr auf mögliche Hindernisse für die Vereinbarkeit von Familie und Studium im neuen Bolognasystem. Eine strengere Strukturierung des Studiums könnte sich besonders für Frauen mit Kindern nachteilig auf deren Verbleib an den Hochschulen auswirken bzw. die Kinderlosigkeit besonders bei Akademikerinnen erhöhen. Der Bericht soll aufzeigen: welche Möglichkeiten für Studierende mit Elternpflichten heute bestehen, ihre Ausbildung zu organisieren und zu finanzieren.
Ausgehend davon soll – auch aufgrund von Vergleichen mit anderen Ländern – dargestellt werden, welche Massnahmen die Vereinbarkeit von Familie und Ausbildung erleichtern könnten. Dabei sollen die Aspekte Studienorganisation im Bolognasystem, Kinderbetreuung und deren Finanzierung, Ausbildungsfinanzierung, Wohnen und akademische Karriereplanung vertieft werden.
Das Thema Studieren mit Kind hat in der Diskussion um die Gleichstellung von Frauen und Männern in den letzten Jahren mehr Platz gewonnen. Dies sowohl in der Schweiz wie in den meisten europäischen Ländern sowie den USA und Kanada.
Erhebungen zur Anzahl und Situation von Studierenden mit Kind sind nicht zahlreich, und die Zusammenhänge werden selten genau analysiert. Massnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Studium werden je nach Land mit unterschiedlicher Entschlossenheit und oft nur punktuell getroffen.
Deutschland hat die Situation der Vereinbarkeit von Familie und Studium umfassend analysiert und auch bereits Massnahmen hinsichtlich Finanzierung der Kinderbetreuung und Flexibilität an den Hochschulen ergriffen. Österreich hat ebenfalls im Rahmen des Sozialreports einige Fragen zur Vereinbarkeit genauer untersucht; von den Hochschulen wird Flexibilität bei Studierenden mit Kind erwartet.
Auch in Kanada ist die Vereinbarkeit von Familie und Studium mit Problemen verbunden. Die Provinz Quebec ist daran, mit klaren Massnahmen Hindernisse bei der Kinderbetreuung und der Finanzierung von Kindern abzubauen. Skandinavische Länder wie auch Frankreich basieren auf Gesellschaftsmodellen und Sozialleistungssystemen, die Kinderbetreuung und Vereinbarkeit Familie und Beruf bzw. Studium bereits integriert haben.
Im europäischen Vergleich liegt die Schweiz hinsichtlich des Anteils der Studierenden mit Kind von rund 6 % im Mittelfeld. Eindeutig weniger sind es in Italien (3 %), bedeutend mehr in Schweden (17 %). In der Schweiz ist die Anzahl der Studierenden mit Kind an den Hochschulen – zirka 7650 – relativ klein. Die Mehrheit der Studierenden mit Kind ist über 30 Jahre alt. Dennoch sind unter den 25- Jährigen rund 350 Studierende, die in einer frühen Lebensphase Kinderbetreuung und Studium vereinbaren müssen. Noch stärker als studierende Eltern in fortgeschrittenerer Lebensphase, die allenfalls bereits ältere Kinder haben, sind sie auf Flexibilität im Studium und auf ausserfamiliäre Kinderbetreuung angewiesen.
Frauen wenden tendenziell mehr Zeit für die Betreuungs- und Familienarbeit auf als Männer und investieren weniger ins Studium. Das bestehende Kinderbetreuungsangebot in der Schweiz kann einerseits der Nachfrage nicht nachkommen, andererseits sind die Strukturen meist ungünstig für eine Vereinbarkeit:
so besteht ein Mangel an (subventionierten) Krippenplätzen, und Krippenöffnungszeiten sowie unregelmässige Schulstundenpläne erschweren die Planung des Studiums.
Manche Hochschulen in der Schweiz haben bereits – im Sinne der Flexibilisierung – Ausnahmeregelungen für Studierende mit Kind vorgesehen. Einige wenige haben die Förderung der Vereinbarkeit in ihr Leitbild aufgenommen. Einzelne Institute untersuchen mittels Audit und Checklisten ihre „Familienfreundlichkeit“, die in Zukunft als Qualitätsmerkmal das Image des Instituts mitprägen sollte.
Die Studierendenzahlen werden laut Prognosen bis 2012 stark ansteigen und danach voraussichtlich nur noch leicht zunehmen. Somit wird auch die Anzahl der Studierenden mit Kind in den kommenden Jahren noch ansteigen. Familienfreundliche Strukturen an der Hochschule werden folglich in Zukunft noch wichtiger werden – sie könnten zum möglichst effizienten Studieren auch mit Kind beitragen und sich positiv auf das Image der Hochschule auswirken.
Noch ist offen, wie sich die Einführung von Bachelor und Master an den Hochschulen auf die Familienfreundlichkeit und die Studierenden mit Kind auswirkt. Statistische Angaben dazu konnten noch nicht gewonnen werden. Die Wirkungen des Bolognasystems werden sich erst in ein paar Jahren zeigen.
Die Situation müsste dann genauer überprüft werden. In einem ersten Schritt würde sich anerbieten, die in diesem Jahr durchgeführte Erhebung zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden auf Vereinbarkeitsaspekte hin auszuwerten.
Merkmale des Studierens mit Kind Studieren mit Kind ist nicht unmöglich, aber mit mehr Hindernissen und meist auch mit einer Studienzeitverlängerung verbunden. Dies ist nicht neu und kann insgesamt nicht auf die neue Studienstruktur im Bolognasystem zurückgeführt werden. Das Studieren mit Kind war in Fachbereichen mit engen Stundenplänen auch vor der Bolognareform kaum machbar. Studierende mit Kind müssen sich ihr Studium strikter organisieren – dies nicht nur in der Schweiz – und können gemäss Umfragen nicht im gleichen Mass wie Studierende ohne Kind vom Studienangebot profitieren. Zur Finanzierung sind sie auf das eigene Erwerbseinkommen angewiesen. Ausbildungsbeihilfen sind eher selten: 15% der Studierenden mit Kind erhalten ein Stipendium (gegenüber rund 20 % der gesamten Studierendenpopulation).
Die Höhe der meist kantonalen Stipendien ist zudem sehr unterschiedlich. Diesbezüglich unterscheidet sich die Situation in Deutschland, wo 37 % der unverheirateten und 16 % der verheirateten Studentinnen mit Kind Stipendien beziehen. Dennoch scheinen diese nicht auszureichen, denn mehr als die Hälfte der Studierenden mit Kind sind auch in Deutschland erwerbstätig.
Einzelne Studien zeigen, dass es in mancher Hinsicht für junge Frauen gegenüber älteren eher möglich ist, Kind und Studium zu vereinbaren. Kinder seien jedoch bei den späteren Qualifikationsschritten oft ein zu grosses Hindernis für eine erfolgreiche Karriere, wobei Wissenschaftlerinnen durch Kinderbetreuung und Familienarbeit stärker benachteiligt sind als Wissenschaftler, wenn sie nicht gar Studium oder akademische Karriere abbrechen. Die Wahrscheinlichkeit unter diesen Voraussetzungen kinderlos zu bleiben, ist bei Frauen gross.
Um die Situation für Studierende mit Kind zu verbessern, braucht es einerseits die notwenige Flexibilität bei der Studienplanung und den Prüfungsterminen, andererseits Kinderbetreuungsstrukturen. Zu einem grossen Teil liegt es an den Hochschulen, Massnahmen für ein „familienfreundliches“ Studieren zu ergreifen, um besonders jungen Leuten die Vereinbarkeit von Kind und Studium zu ermöglichen.
Dies könnte dazu beitragen, dass gerade bei Frauen der Entscheid für eine Mutterschaft früher getroffen und das Risiko einer Kinderlosigkeit bei (zu) später Mutterschaft verringert würde. So könnte dem Druck der biologischen Uhr in der als Rushhour bezeichneten Phase, in welcher Karriere- und Kinderentscheid zusammenfallen, und der damit zusammenhängenden höheren Studienabbruchquote bei Frauen entgegen gewirkt werden.
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