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Mama- und Papa- Student

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Lassen sich Studium und Kind unter einen Hut bringen? Welchen Stellenwert haben Kinderkrippen bei den jungen Eltern und wie gefällt es dort den Kleinen selbst?

In Polykum Nr. 3/07–08, Seiten 12 und 13
Anita Horn (22) ist Polykum-Redaktorin und studiert im 3. Semester Politikwissenschaften an der Universität Zürich.
horn@polykum.ethz.ch
Bild: Priska Müller
Mehr Infos gibt es auf www.kihz.ch und www.kikri.ethz.ch

Morgenmuffel -Last Minute
Es ist dunkel, kalt und die Qual unerträglich. Am liebsten keinen Finger rühren, die Augen fest zukneifen und so tun, als ob man gar nicht existierte: «Ich will nicht!», heulen die Opfer. «Nicht schon wieder», wimmern die Gefolterten. Doch er ist unbarmherzig, kennt keine Gnade: «Bleib du nur schön liegen ...», flüstert er seinen Sklaven ins Ohr. Und diese Köder! So gut: Warm ist es im Bett und gemütlich. Die Faulheit siegt, denn man wird mal wieder länger schlafen. Der Muffel lässt nicht locker und kommt jeden Morgen aufs Neue unter die Decke geschlüpft. Eine amorphe Statur, zu Schlitzen verkommene Augen, ein weicher Pelz und krummer Rücken, so nistet er still und doch nicht unbemerkt in unseren Betten. Doch nein – er ist nicht putzig, ein freundlicher Geselle gar. Hat man es tatsächlich geschafft nach viermaligem W5M (den Wecker auf fünf Minuten vorstellen) aufzustehen, ist es schon längst zu spät für den pünktlichen Start in den Tag! Dem Besessenen ist sogar in dieser prekären Situation Hatz noch ein Fremdwort. So wankt er schlaftrunken ins Badezimmer, «huch, warum nur?» vor sich her brummelnd, um den muffeligen Mundgeruch loszuwerden. Das Anziehen birgt die grösste Herausforderung: Kann man auf Anhieb das Hosenbein treffen? Hat man den Pulli richtig herum an? – Durch diese weitschweifigen Bewegungen gerät schliesslich auch der Kreislauf in Schwung. Und der Muffel? Der liegt immer noch im Bett, grinst selbstgefällig, zwinkert und winkt und wartet auf das rührselige Opferlein, das den Weg zurück ins Bett finden könnte. Ein bisschen Recht hat er ja mit seinen Hoffnungen, doch wird der Gemuffelte sein warmes, weiches Bett gegen einen harten, blauen Tramsitz eintauschen müssen! Dort geht das Schlummern prompt weiter, angenommen die lausige Bande streunender Studenten verhält sich ruhig. Gelingt das kleine Nickerchen, so steht auch einer weiteren Mütze Schlaf während der Übungsstunde nichts im Wege, sollte man meinen. Doch weit gefehlt. Wer zu spät kommt, kann kaum noch mit den hinteren Plätzen rechnen. So viel Anstand, in der ersten Reihe Augen und Ohren offen zu halten, hätte sogar der Muffel, dem der aufkommende Gedanke gelten möge: Ach, wäre ich doch nur zu Hause geblieben. (mh)

«Es braucht viel Selbstdisziplin, um neben dem Muttersein genug ins Studium investieren zu können», sagt Judith Hochstrasser, Mami mit 22 Jahren. «Für mich war es überhaupt kein Problem, Kind und Studium zu vereinbaren», erinnert sich hingegen Beatrice Kerner*. Sie begann das Studium als 20-jährige Mutter. Von dieser Leichtigkeit überrascht zeigt sich Katrin Imholz, Krippenleiterin der ETH-Krippe Kikri. «Mir sind auch Fälle von jungen Frauen bekannt, die ihr Studium nach kurzer Zeit aufgegeben haben», so Imholz. Verschiedene Meinungen halten sich also die Waage. Die Abwägungen zwischen Freud und Leid durch Mama- und Papa-Student führen unweigerlich einen Schritt weiter – zur Krippendiskussion.
*Name geändert und der Autorin bekannt.

Ob hier der WG-Kumpel schon zu finden ist? Langfristige Freundschaften werden bereits in der Kinderkrippe geschlossen
Ob hier der WG-Kumpel schon zu finden ist? Langfristige Freundschaften werden bereits in der Kinderkrippe geschlossen.

Judith und Beatrice

Spätestens wenn die Besorgung von Babyfläschchen und Nuggi ansteht, die Kinderspielzeugabteilung das Auge stärker fesselt als Modeboutiquen und wenn schliesslich Nachtschichten fürs Studium durch Windelwechseln unterbrochen werden, wissen die Eltern, dass sich ihr Leben fundamental geändert hat. Beatrice liess sich von der Tatsache, in frühen Jahren Mutter zu werden, nicht einschüchtern. Sie begann ihr ETH-Studium mit der halbjährigen Tochter «im Gepäck». «Für mich war klar, dass ich das Studium auch mit dem Kind beginnen würde; eine Ausbildung muss sein», sagt Beatrice heute überzeugt. Unterstützt von Tagesmutter und Familie absolvierte Beatrice das Informatikstudium innerhalb von nur fünf Jahren problemlos. «Ich habe das Muttersein neben dem Studium nicht als Belastung empfunden, viel eher als abwechslungsreichen Ausgleich», so die heutige Geschäftsfrau.
Geschichtsstudentin Judith Hochstrasser bewältigt die Dreifachbelastung von Studium, Kind und Arbeit mit dem leisen Bedauern, selten für etwas genügend Zeit zu haben. «Es ist in der Praxis vereinbar, braucht jedoch viel Kraft», sagt Judith. Für das Kind seien Aufmerksamkeit, Geduld und Liebe wichtig, selten könne sie es sich in einem Bereich erlauben, sich gehen zu lassen. Als allein erziehende Mutter ist Judith auf die Unterstützung der Kinderkrippe angewiesen. «Dieser Ort ist für mein Kind zum zweiten Zuhause geworden», sagt sie und ist überzeugt von der Betreuung durch die Kinderkrippe.

Zweites Zuhause

Für immer mehr Kinder wird die Krippe zum «zweiten Zuhause». Seit der Eröffnung der ETH-Kinderkrippe (Kikri) 1972 wurden fünf zusätzliche Krippen aufgebaut. Die UZH/ETH-Stiftung für Kinderbetreuung im Hochschulraum Zürich plant weitere Einrichtungen. «Eine logische Entwicklung», kommentiert Ria-Elisa Schrottmann, Geschäftsleiterin der Stiftung kihz. Das Phänomen der gestiegenen Nachfrage korreliere mit der Entwicklung zu vermehrter Studien- und Berufstätigkeit der Frau. «Unsere Erfahrung zeigt, dass sich der Bedarf der Studierenden nach Unterstützung bei der Kinderbetreuung wesentlich von demjenigen der Berufstätigen unterscheidet», so Schrottmann. «Studierende bitten meist nur dann um Unterstützung, wenn sie sich privat nicht organisieren können». Da in den Krippen keine stundenweise Betreuung möglich ist, empfiehlt sie den Studierenden den Aufbau eines Netzwerks «Studieren mit Kind», um die spezifischen Bedürfnisse, insbesondere die flexiblen Betreuungszeiten, besser abzudecken. Kikri-Leiterin Katrin Imholz zeigt sich ebenfalls wenig begeistert von allzu flexiblen Bring- und Abholzeiten in der Krippe. «Es ist im Interesse des Kindes, dass es sich auf einen täglichen Rhythmus, eine konstante Gruppe und Betreuungspersonen verlassen kann», sagt Imholz. Die vormittägliche Anwesenheit der Kleinkinder wird von der Kikri unter der Woche deshalb vorausgesetzt. Die Kinder werden hier ab vier Monaten aufgenommen und bleiben meist bis zur Einschulung.

Krippenkinder – WG-Kumpel

Nicht alle Kindertagesstätten geniessen einen ähnlich guten Ruf wie die Kikri. Katrin Imholz ist überzeugt, dass gute Qualität der Krippe von unschätzbarem Wert für die Kinder ist. «Wenn der Betreuungsschlüssel und das Klima in der Krippe stimmen, dann ist sie eine Bereicherung für jedes Kind.» Zur Qualität gehöre unter anderem das richtige Verhältnis von individueller Zuwendung und Förderung sowie die Abstimmung der Kindsbedürfnisse auf diejenigen der Gruppe. «Die Beziehungen zwischen den Kindern bestehen oft lange über die Krippenzeit hinaus», so Imholz. Es sei sogar vorgekommen, dass Krippenkinder später gemeinsam eine WG gegründet hätten.

Einige Fakten

Exakte Zahlen darüber, wie viele Studierende ein Kind grossziehen, gibt es nicht. Schrottmann schätzt die Anzahl studierender Eltern aber auf durchschnittlich fünf bis zehn Prozent. Vergleichsweise sind in der Kikri sechs von insgesamt 28 Schützlingen die Kinder von Studierenden, Doktorierenden und Postdocs. Die Krippentarife in den – von der ETH – subventionierten Krippen sind einkommensabhängig und dadurch äusserst studentenfreundlich. Die monatlichen Beiträge variieren von 155 Franken für Eltern mit tiefem Einkommen bis zu 1'500 Franken für Professorenkinder.

 

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