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Quelle:
http://www.unipublic.unizh.ch/
campus/uni-news/2005/
1771.html
Marita Fuchs 6.7.2005
von Marita Fuchs
Fehlende Kinderbetreuungsplätze sind nicht nur ein individuelles
Problem. Sie wirken sich auch nachteilig auf die Attraktivität eines
Hochschulstandortes aus. Im Hochschulraum Zürich fehlen derzeit rund
130 Betreuungsplätze, wie Sergio Tassinari, Co-Autor einer neuen
Nationalfonds-Studie erläutert.
Laut einer am 27. Juli veröffentlichten Studie des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) fehlen schweizweit rund 50'000 Plätze bei familienergänzenden Betreuungsangeboten im Vorschulbereich. Bei einem aktuellen Angebot von geschätzten 30'000 Plätzen sind nur 40% Prozent der Bedürfnisse abgedeckt. Zwar wurde das Angebot in jüngster Zeit ausgebaut, doch fehlte bisher eine klare Bedürfnisanalyse, die jetzt mit der Studie vorgelegt wurde.
Schweizweit stehen nur rund 40% der gewünschten Betreuungsplätze zur Verfügung. (Bild: unicom)
Väter sind gefragt
Wesentliche Faktoren für eine externe Kinderbetreuung sind das
Einkommen der Eltern sowie der Bildungsgrad und das Alter der Mütter.
So steigt bei einem zehn Prozent höheren Lohn das Bedürfnis nach einer
externen Betreuungsform um 5,6 Prozent. Weiter wird der Wunsch nach
einer Kinderkrippe grösser, je besser ausgebildet und je älter die
Mutter ist. Hingegen sinkt die Nachfrage, wenn sich auch der Vater
aktiv an der Kinderbetreuung beteiligt.
Daraus lässt sich schliessen, so einer der Co-Autoren der Studie, Sergio Tassinari, dass die Betreuungsnachfrage zurückgehen würde, sobald mehr Männer die Möglichkeit hätten, sich zum Beispiel aufgrund von Job-Sharing an der Betreuung der Kinder zu beteiligen.
Warten auf einen begehrten Krippenplatz
Auch im universitären Umfeld wächst die Nachfrage nach
Betreuungsplätzen ständig. Dies belegen die Wartelisten der
universitären und universitätsnahen Kinderkrippen. So warteten zum
Beispiel im Januar 2005 31 Kinder auf einen Platz in der
universitätsnahen Kinderkrippe «Pitschi» an der Schönberggasse. Für die
zehn Kinderkrippen im Hochschulraum stehen insgesamt 200 Kinder auf den
Wartelisten. Sergio Tassinari, der auch als Geschäftsleiter der
Stiftung für Kinderbetreuung Hochschulraum Zürich (kihz) arbeitet,
rechnet vor: «Wir müssten 130 neue Betreuungsplätze schaffen, vor allem
Plätze für Säuglinge, denn 60 Prozent der nachgefragten Plätze sind
Anfragen für Säuglinge bis 18 Monaten.»
Ein gutes Betreuungsangebot spielt auch eine wichtige Rolle bei Berufungsverhandlungen. (Bild: Marita Fuchs)
Massgeblich bei der Wahl des Arbeitsplatzes
Tassinari ist davon überzeugt, dass ein gutes
Kinderbetreuungsangebot für Dozierende ein Argument für die
Entscheidung für einen Hochschulort ist. «Eine gute Kinderbetreuung ist
ein Standortvorteil, denn Dozierende, die sich für die Universität
Zürich entscheiden, wollen ihre Kinder gut betreut wissen.» Das
bestätigt auch Jörg Kehl von der Abteilung Professuren der Universität
Zürich: «In Berufungsverhandlungen spielt eine gute Kinderbetreuung
eine massgebliche Rolle bei der Entscheidung für oder gegen einen
Standort.»
Im grösseren Rahmen ist mit dem Betreuungsangebot auch ein gesellschaftspolitischer Aspekt verbunden. Laut einer Studie des Soziologen Beat Fux, so Tassinari, sind 40 Prozent der Akademikerinnen in der Schweiz kinderlos. Sie finden eben keine günstigen Bedingungen vor, um Arbeit und Familie zu vereinbaren. Die Gesellschaft sollte ein Interesse haben, diese dringend zu verbessern.
Schulergänzende Betreuung in den Ferien
Aber nicht nur für Kleinkinder, sondern auch für Schulkinder braucht
es Betreuungsangebote. Gemäss der NFS-Studie bleiben Mütter mit Kindern
im Primarschulalter eher zu Hause, weil die familienexterne Betreuung
von Primarschülerinnen und -schülern grosse Lücken aufweist. Das
Nachfragepotenzial in diesem Bereich ist allerdings noch nicht genau
erfasst. Die Stiftung kihz unterhält Betreuungsangebote in den
Schulferien. Zudem vermittelt sie kurzfristig Betreuerinnen oder
Betreuer.
Landkarte der Betreuungsverhältnisse
Am 8. Juli 2005 stellen die Autoren der Studie den aktuellen
Betreuungsindex vor, der die Betreuungsverhältnisse im Kanton Zürich in
Form einer Landkarte visualisiert. «Man kann darauf genau sehen, wo die
Wüsten sind, die noch begrünt werden müssen», sagt Tassinari. Der
Betreuungsindex ist nicht nur eine Grundlage für die weitere Planung
von Betreuungseinrichtungen, sondern könnte auch für
Hochschulangehörige interessant sein, die ihren Wohnort nach den
Betreuungsangeboten ausrichten möchten.
NFP2-Studie:
Familienergänzende Kinderbetreuung in der
Schweiz: Aktuelle und zukünftige Nachfragepotenziale. Die Studie wurde
erarbeitet vom Forschungs- und Beratungsbüro Infras, vom Instituto
Micoreconomia e Economia Pubblica der Universität Lugano und vom
Beratungsbüro Tassinari/Schrottmann. Das Forschungsprojekt beleuchtet
die familienergänzende Kinderbetreuung im Vorschulbereich wie z.B. die
Betreuung in Krippen und Tagesfamilien.
Marita Fuchs ist Redaktorin von unipublic
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