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Ein innovatives Konzept der Tagesbetreuung
von Kindern der Altersstufe 0-6
unter spezieller Berücksichtigung des
Ausbaus von Säuglingsplätzen
Quelle:
Krippenjournal 2/07
Von: Ria-Elisa Schrottmann
und Sergio Tassinari, Geschäftsleitung Stiftung kihz
Illu: Marcel Biefer, Stiftung kihz
Hinweis:
Der Kurzbericht „Säuglingsbetreuung in Kindertagesstätten“ kann für CHF 10.- bezogen werden.
>> Bestellformular
oder Stiftung kihz, Voltastrasse 59, 8044
Zürich
Ein bedarfsgerechtes Kinderbetreuungsangebot gehört heutzutage zu einem attraktiven Hochschulplatz. Nicht nur beim Werben um die besten ForscherInnen und Dozierende, sondern auch bei der Förderung von weiblichen Nachwuchskräften ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein zentrales Thema. Die Stiftung kihz ist deshalb im Jahr 2002 gemeinsam von der Universität Zürich und der ETH Zürich gegründet worden. Die Pädagogische Hochschule ist derzeit als Kooperationspartner angeschlossen.
Die Stiftung kihz hat den Auftrag
Im Stiftungsrat sind derzeit je vier von der ETH Zürich und der Universität Zürich ernannte Personen vertreten. Die Rektoren der beiden Hochschulen haben das Präsidium und Vizepräsidium inne. Zur administrativen und fachlichen Führung der Stiftung wurde im März 2004 eine Co-Geschäftsleitung eingesetzt, welche die Aufgabe hat, die vom Stiftungsrat bestimmten Ziele und Projekte sowie die dazu festgelegte Strategie umzusetzen.
Ausbau und bedarfsgerechtes Betreuungsangebot
Auf der Warteliste der beiden bisherigen Stiftungskrippen kihz Hönggerberg und kihz Bülachhof waren Anfang 2006 mehr als 300 Kinder eingeschrieben, vor allem im Säuglingsalter, so dass ein ausgewiesener und dringender Bedarf an weiteren Krippenplätzen bestand.
Im Laufe desselben Jahres ergab sich die Möglichkeit eines Ausbaus um drei weitere Tagesstätten (kihz Wolfbach, kihz Schönberg, kihz Platten), welche zwar vom Standort optimal gelegen sind, aufgrund der jeweiligen Räumlichkeiten aber nur eine sehr begrenzte Anzahl an Plätzen erlauben. Ein Tropfen auf dem heissen Stein, teuer und zudem mit wenig Aussicht auf mehr Säuglingsplätze?
Die Stiftung hat sich für den Ausbau des Betreuungsplatzangebotes entschieden und ein Konzept entwickelt, welches auf folgenden Grundgedanken basiert:
Die drei Einrichtungen sollen unter einer Gesamt-Leitung geführt werden, wobei in jeder Kita ein Erzieherinnen-Team die Hausverantwortung übernimmt. Zusätzlich wurden Springerinnen angestellt, die in allen 3 Einrichtungen arbeiten. Die Administration (Elternvereinbarungen, Rechnungswesen, etc.) erfolgt zentral durch eine Sekretariatsmitarbeiterin. Dieses Modell bietet vor allem bei kleineren Einrichtungen entscheidende Vorteile. So kann sich das Personal bei Engpässen aushelfen und die Planung der pädagogischen Arbeit, den Ressourceneinsatz, Fortbildung und Ausbildung des Lehrpersonals gemeinsam vornehmen.
Des Weiteren werden mit den Kindergruppen gemeinsame Aktivitäten durchgeführt und es findet ein regelmässiger Austausch statt. Für die Kinderaufnahmen, die Personalführung, die Koordination und Organisation des Betriebes ist die Gesamtleitung zuständig.
Im kihz Schönberg sind die Gruppen nach dem „Götti-Modell“ organisiert, zwischen kihz Wolfbach und kihz Platten als „Tandem“ (Bezeichnungen siehe Leitfaden Säuglinge und Kleinstkinder in Kitas, Stadt Zürich 2007).
Gruppen mit kleiner Altersmischung (bis 3 Jahrgänge)
Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass vor allem die älteren Kinder (spätestens ab 3, 4 Jahren) in einer kleinen Gruppe von 10 Kindern oft nicht angemessen gefördert werden können, was sich auch auf die Gesamtgruppe negativ auswirkt. Gründe hierfür liegen zum einen in fehlenden gleichaltrigen Spielkameraden (Mehrheit der Kinder in der Krippe ist unter drei oder es sind zu wenig ältere Kinder gleichzeitig anwesend) und zum anderen in der unzureichenden Qualifikation der Kleinkinderzieherinnen für diese Altersgruppe. Den altersentsprechenden Bedürfnissen von Säuglingen wie Kindergartenkindern gleichzeitig gerecht zu werden, ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die leicht zur Überforderung des Personals führt. In grossen Krippen ist es möglich, im Alltag gruppenübergreifende Aktivitäten in kleinen Altersgruppen anzubieten, was aber in einer kleinen Einrichtung nicht realisierbar ist.
Mit der Aufteilung von Gruppen in kleiner Altersmischung (nicht mehr als 3 Jahrgänge) und einer grossen Durchlässigkeit beim Übertritt in die jeweils ältere Gruppe können u.E. die Kinder optimaler gefördert werden. Das Personal kann sich besser auf die Entwicklungsstufen in den jeweiligen Gruppen konzentrieren und entsprechende Angebote planen. Gleichzeitig profitieren die Kinder von einer grossen Altersmischung durch regelmässige Kontakte, gemeinsame Aktivitäten und gegenseitige Besuche.
Mehr Plätze für Säuglinge in den Krippen, pädagogisch vertretbar?
Das bisherige Konzept des so genannten Familiensystems in den Krippen beschränkt im Kanton Zürich die Aufnahme von Kindern bis zum 1. Lebensjahr auf max. 2 in einer altersgemischten Gruppe (10-12 Kinder von 0-6). Mehr Kinder mit einem intensiven Beziehungs- und Pflegeaufwand ist pädagogisch in einer so grossen Altersmischung nicht sinnvoll und vertretbar, da ansonsten das Gleichgewicht zwischen dyadischer zu sozialpädagogischer Interaktion und Intervention nicht mehr gewährleistet werden kann.
Da uns weder für das Familiensystem noch für andere Konzepte hinreichende Grundlagen vorliegen, welche deren Vertretbarkeit empirisch absichern, hat die Stiftung kihz das Pädagogische Institut der Universität Zürich beauftragt, nach pädagogisch geeigneten Modellen zu suchen, welche eine Erweiterung des Betreuungsangebotes für Kinder zwischen 4 und 18 Monaten zulassen. Im Fachbeirat der Projektgruppe waren sowohl kantonale wie auch städtische Fachpersonen vertreten.
Die Expertise des universitären Institutes kommt zum Schluss, dass das in der Deutschschweiz vorherrschende Primat der altersgemischten Gruppen nicht per se die optimalste Betreuungsform für Säuglinge ist und vor allem in der Westschweiz Ansätze vorliegen, welche eine sehr gute Grundlage bieten, die Betreuung für die Kleinsten neu auszurichten. Dies immer unter der Voraussetzung einer pädagogisch sinnvollen Rahmenkonzeption, einer curricularen Ausrichtung der Betreuung und der Qualitätsüberprüfung der gesetzten Standards.
Diese Erkenntnisse haben die Stiftung kihz dazu bewogen, ein Pilotprojekt zu starten, um die Betreuung der Säuglinge auf ein neues Fundament zu stellen:
Auch mit der kleinen Altersmischung kann die grosse Nachfrage nach Säuglingsplätzen nicht abgedeckt werden. Als zweite innovative Komponente ist deshalb das Teilprojekt kihz-family-share in das Pilotprojekt integriert worden. kihz-family-share greift den Grundgedanken der Verbindung von familiärer Betreuung und Krippe auf. Unser Modell „kihz family share“ verbindet die Vorteile der individuellen Kinderbetreuung im Haus der Eltern (nanny-Konzept) und die Betreuung in der Krippe. Es sieht eine Kooperation zwischen einer kihz Krippe, einer kihz Betreuerin und 2 Familien mit Säuglingen vor. Voraussetzung ist, dass sich die Familien betreffend Betreuungsumfang und Tagen absprechen und sich auf eine Familienwohnung als Betreuungsort einigen. Sobald das Kind dem Säuglingsalter entwachsen ist (zwischen 12 und 18 Monate) soll es regulär in die Kindergruppen der jeweiligen Kindertagesstätten integriert werden. Erste Erfahrungen verliefen positiv. Zur Zeit wird ein detailliertes Konzept ausgearbeitet.
Fortbildung und Ausrichtung des pädagogischen Konzeptes auf 0-3 Jährige
Für die Arbeit mit Säuglingen und Kleinstkindern steht derzeit kein bewährtes pädagogisches Konzept oder Curriculum zur Verfügung. Die Studie des Pädagogischen Instituts empfiehlt aufgrund dieses Mankos sich in der Betreuung nach dem Ansatz von Pikler und Gerber zu richten. Eine In-house-Schulung des Personals mit Fortbildungssequenzen und Videobeobachtungen auf dieser Grundlage soll die Betreuungsarbeit neu ausrichten und zur Entwicklung eines spezifischen pädagogischen Handbuchs und Curriculums führen. Zudem werden die Räumlichkeiten der neuen Konzeption angepasst.
Spezifisches Angebot 3-6 im
angeschlossenen Tageskindergarten, kihz Platten
Kinder ab ca 3 Jahren wechseln sukzessive und entsprechend ihrer individuellen Reife von den Krippen kihz Wolfbach und kihz Schönberg in die Kindergruppe des Tageskindergarten kihz Platten. Durch die intensive Zusammenarbeit der drei Einrichtungen kennen sich Mitarbeiterinnen und Kinder bereits, so dass die Übergänge sanft und individuell gestaltet werden können. Der Tageskindergarten bietet spezielle Englischsequenzen und einen Waldtag an.
Vielfalt des Angebotes
Mit den drei zusätzlichen Betreuungsinstitutionen ist es möglich, innerhalb der kihz Kindertagesstätten verschiedene Gruppen mit unterschiedlichem Alterssegment und unterschiedlicher Arbeitsweise in guter Qualität anzubieten und damit eine hohe Flexibilität für individuelle Bedürfnisse von Eltern und des einzelnen Kindes zu gewährleisten. Zudem wird es möglich sein, in den Gruppen der 3-6 Jährigen Studierende der PH für Praktikas und Projekte aufzunehmen.
Qualitätssicherung durch wissenschaftliche Begleitung und in Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich
Das vorliegende Modell existiert unseres Wissens bis anhin noch nicht in der deutschen Schweiz. Hingegen wird z.B. in Frankreich, Deutschland und im Tessin seit je her in kleinen Altersmischungen gearbeitet. Die Stadt Zürich, als Aufsichtsinstanz, hat unser Modell als innovativ anerkannt und wird es durch eine externe Fachstelle wissenschaftlich begleiten lassen. Viele Fragen und Stolpersteine werden sich erst mit der konkreten Alltagspraxis zeigen und unter Umständen zu einer Kurskorrektur führen. Wir rechnen mit einem zeitlichen Rahmen von 2-3 Jahren bis alle Abläufe geregelt sind und die entsprechenden Arbeitsmaterialien vorliegen.
Quintessenz
Die Stiftung kihz möchte mit ihrem Projekt den momentanen Spielraum in der Kinderbetreuung erweitern und steht wie die meisten privaten Trägerschaften vor der Herausforderung, sowohl dem Bedarf von Eltern, den Bedürfnissen der uns anvertrauten Kinder, den gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie den betriebswirtschaftlichen Erfordernissen gleichzeitig gerecht zu werden. Es gibt ein Handbuch zum Aufbau von Betrieben und ein Kontrollsystem für die Einhaltung der organisatorischen Rahmenbedingungen, welche auf dem Familiensystem beruhen. Es gibt hierzulande aber keinen Bildungsbegriff, kein Bildungsziel, kein Curriculum und keine fundierten, wissenschaftlich aufgearbeiteten Erkenntnisse, was da genau mit den kleinen Kindern im Alltag gemacht werden soll. Positiv gesehen, ist auch dies ein Spielraum für Innovation und neue Modelle. Wir möchten als Stiftung kihz gerne einen Beitrag leisten, die festgefahrenen Bahnen zu verlassen und freuen uns, dass die Stadt Zürich und der SKV die Trägerschaften hierzu ermutigen und unterstützen.
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