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Das Studium ist die ideale Babypause

Quelle:
Autor: Stefan Schlegel
http://www.tagesanzeiger.ch
/leben/bildung/
Das-Studium-ist-die-ideale-Babypause-/story/29769192
21.06.2010

An den Hochschulen hat sich noch keine familienfreundliche Kultur durchgesetzt. Dabei ist das Studium der bessere Zeitpunkt für ein Kind als die Phase nach dem Abschluss.

Für Akademikerinnen bleibt die Vereinbarkeit von Karriere und Kinderwunsch ein ungelöstes Problem. Bis sie ihre Grundausbildung abgeschlossen haben, sind sie mindestens Mitte zwanzig. Je nach angepeilter Karriere stehen ihnen noch fast endlose Weiterbildungen bevor, die zeitintensiv und teuer und oft mit Auslandaufenthalten verbunden sind.

Mit Ausnahme der öffentlichen Verwaltung, wo der Anteil von Teilzeitangestellten auch unter den Männern hoch ist, gibt es keine Branche, die besonders familienfreundlich ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Kantone Basel Stadt und Zürich. Die Studie attestiert den Unternehmen in beiden Kantonen eine recht hohe Familienfreundlichkeit, stellt aber gleichzeitig fest, dass jene Unternehmen besonders familienfreundlich sind, in denen viele Frauen in den Chefetagen arbeiten. Familienfreundlichkeit ist also eine Frage der Unternehmenskultur und hängt nicht von Zwängen der Branche ab.

Das akademische Rohr tropft

Natalie Breitenstein, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei den «Career Services» der Uni Zürich, gibt zwar zu bedenken, dass es gewisse Jobprofile gebe, bei denen Kunden erwarten, dass man immer erreichbar ist, der Beruf der Anwältin etwa. «Die Wahl der Studienrichtung ist aber nicht entscheidend», sagt Natalie Breitenstein. Denn innerhalb des Berufsspektrums, das einem nach dem Abschluss offensteht, finden sich immer auch Optionen, die gut mit einer Familie vereinbar sind.

Keine familienfreundliche Branche sind die Hochschulen selbst. Das gilt besonders für den langen und unsicheren Weg einer akademischen Karriere. Trotz der grossen Anstrengungen, welche die ETH und die Unis für die Chancengleichheit unternehmen, bleibt der akademische Weg eine «leaky Pipeline», ein tropfendes Rohr, aus dem immer mehr Frauen ausscheiden, je höher die akademische Stufe.

Frauen, die dennoch eine ambitionierte Karriere wagen wollen, ob an der Hochschule oder in der Privatwirtschaft, müssen für sich selbst den richtigen Zeitpunkt suchen, um zwischen den geforderten Weiterbildungen eine Familie zu gründen. Verallgemeinern lässt er sich unmöglich. Hingegen gibt es einen Zeitpunkt, der generell ungeeignet ist für die Familienplanung: direkt nach Abschluss des Studiums. Natalie Breitenstein rät Studentinnen, sich erst im Beruf die Sporen zu verdienen, bevor sie Babypause machen.

Fast immer eine Lösung findet sich demgegenüber für Frauen, die schon während des Studiums Kinder bekommen. «Wenn der Wunsch nach Kindern wirklich da ist, sollen Frauen ruhig schon während des Studiums Kinder bekommen. Unsere Krippenplätze sind für Studierende hoch subventioniert, sodass sie sich alle leisten können», sagt Ria-Elisa Schrottmann, Geschäftsleiterin der Kinderkrippen der ETH und der Uni Zürich. Iris Rothäusler von der Abteilung Gleichstellung der Uni Zürich gibt ihr Recht. Selbst im Bologna-System, das als starr gilt, finde sich immer eine Möglichkeit, die Prüfungen zu verschieben. In Zürich etwa bieten die Hochschulen zudem Räume zum Stillen an, und die Stiftung kihz, welche die sechs Kindertagesstätten des Hochschulstandortes Zürich betreibt, hilft den Studentinnen, eine Lösung für die Kinderbetreuung zu finden.

 

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