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Quelle:
Autorin: Betina Bischof
Veröffentlicht in:
Kitas-Journal, Ausgabe 1/09
Sie finden die ausführliche Broschüre Ernährungskonzept – mit Handlungsanleitung für Eltern, Kindertagesstätten und Caterer zum Nachlesen unter
>> Dokumente.
Keine Frage: eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung ist wichtig für
die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern. Verschiedenste
Studien geben heute Orientierung in Bezug auf die Zusammenstellung der
Mahlzeiten und die Bedeutung der einzelnen Nährstoffe.
Aber kann der Anspruch auf einen ausgewogenen Speiseplan für unsere Jüngsten auch dann erfüllt werden, wenn mehrere Akteure - wie Erzieherinnen, Caterer, Hauswirtschafterinnen und Eltern – gleichermassen an der Zusammenstellung der Mahlzeiten und der Ernährungserziehung beteiligt sind?
Dass es nicht jeden Tag ein Sonntagsessen in den Kitas geben kann, ist den meisten klar. Aber gesund soll es sein, abwechslungsreich und voller Vitamine - und das am besten jeden Tag. Doch was genau heisst das, wenn ein Kind im Durchschnitt 3 Tage in einer Tagesstätte und die anderen Tage zu Hause verbringt? Und wie soll eine ausgeglichene Ernährung sicher gestellt werden, wenn in der Kita das warme Mittagessen durch Caterer geliefert, Znüni und Zvieri von den einzelnen Erzieherinnen selbst zubereitet und an den anderen Tagen die Ernährung durch die Eltern sicher gestellt wird?
Die Stiftung kihz wollte dieser Frage einmal nachgehen. So wurde im vergangenen Jahr einer Diplomandin der Schule für Ernährungsberatung der Auftrag erteilt, die Ernährungssituation in den eigenen Kindertagesstätten zu überprüfen.
Hierfür wurde stellvertretend für alle Kitas die Ernährungssituation in der grössten der sechs Kindertagesstätten, kihz Hönggerberg, mittels eines Fragebogens analysiert und mit aktuellen Empfehlungen für Kinderernährung verglichen. Daraus entstand ein spannendes Ernährungskonzept für Kinder von ein bis sechs Jahren.
Neben sehr wertvollen theoretischen Grundlagen der Kinderernährung finden sich in dem Konzept vor allem auch praktische Empfehlungen zur Umsetzung in den Kita-Alltag. So wird z.B. im Theorieteil über Früchte und Gemüse darauf hingewiesen, dass Obst als wichtiger Vitamin- und Nährstofflieferant den Hauptbestandteil von Znüni und Zvieri bilden sollte und Gemüse als wichtige Basis der warmen Mittagsmahlzeit dient. Als Zubereitungsart empfiehlt die Ernährungsberaterin z.B. das Dünsten von Gemüse in wenig Wasser oder roh in Stücke und Schnitze geschnittenes Obst und Gemüse, welches den Kinder angeboten wird. Und wenn die Erzieherinnen dann noch ab und zu ein kleines „Verkäuferli-Spiel“ beim Zvieri einfliessen lassen, sind die Kinder motiviert, ein Stückchen von einem unbekannten Gemüse zu probieren, von dem sie gleich noch lernen, wie es heisst.
Um ein Zuviel oder Zuwenig eines Nahrungsmittels zu vermeiden, wurden konkrete Empfehlungen erarbeitet, wie häufig z.B. eine Lebensmittelgruppe zu Hause und in der Tagesstätte angeboten werden sollte.
| Früchte / Gemüse | Kindertagesstätte | Eltern |
| Häufigkeit |
3
x pro Tag
Znüni, Zvieri, Mittagessen |
2
x pro Tag
Frühstück, Abendessen |
| Auswahl | Früchte roh, Gemüse roh oder gekocht |
Damit die Verteilung verschiedener Lebensmittelkomponenten nicht nur mit der Familie, sondern auch mit den Caterern abgesprochen werden kann, ist eine (im Idealfall zwei-) wöchige Menüplanung eine sehr hilfreiche Empfehlung für die Menüzusammenstellung (siehe Beispiel).
| Tag | Dreikomponenten Mittagessen (Erwähnte Eiweisskomponente wird mit Kohlenhydraten, Gemüse und Salat ergänzt) | Znüni | Zvieri |
| Montag | Vegi: Hülsenfrüchte |
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| Dienstag | Fleisch mit Sauce |
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| Mittwoch | Vegi: Ei versteckt |
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| Donnerstag | Fleisch |
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| Freitag | 1 Woche Fisch / 1 Woche Vegi |
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| Samstag | 1 Woche Vegi / 1 Woche Fisch |
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| Sonntag | Fleisch mit Sauce |
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| Tag | Dreikomponenten Mittagessen (Erwähnte Eiweisskomponente wird mit Kohlenhydraten, Gemüse und Salat ergänzt) |
Znüni |
Zvieri |
| Montag | Vegi: Fleischersatzprodukt |
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| Dienstag | Fleisch |
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| Mittwoch | Vegi: Hülsenfrüchte |
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| Donnerstag | Vegi: Eierspeise |
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| Freitag | Fisch |
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| Samstag | Fleisch mit Sauce |
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| Sonntag | Fleisch |
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Insgesamt konnte im Verlauf der Studie deutlich aufgezeigt werden, dass es zu einer vollwertigen Ernährung von Kindern ein Ganztageskonzept braucht, an dem Erzieherinnen, Caterer und Eltern gleichermassen Beteiligte sind. Nur im Zusammenspiel von Kita und Eltern kann gemeinsam mit Hilfe eines Baukastensystems, die empfehlungsgerechte Nährstoffzufuhr für die Kinder sicher gestellt werden.
Ernährung - nur Thema der Grossen?
Neben den aktuellen Ernährungsempfehlungen spielt auch die Ernährungserziehung eine grosse Rolle, um Kinder an eine ausgewogene Ernährung heranzuführen. Die Analyse der Ernährungsberaterin konnte auch hier klare Leitlinien aufzeigen. Durch den vermehrten Einbezug der Kinder in Küchenarbeiten wie z.B. das tägliche frische Zubereiten von Salatsaucen, werden die Kinder selbst zu Beteiligten und dürfen in kleinen Schritten Verantwortung bei der Ernährung übernehmen. Wer hier noch einen kleinen Garten oder einen Blumentopf zum Anpflanzen von Gewürzen wie Petersilie oder Basilikum zur Verfügung hat, kann daraus ein richtiges Bildungsthema machen.
Eine Vereinbarung von Regeln, die in den Kindergruppen gelten, wird massgeblich zu einer positiven und entspannten Tischsituation beitragen. So könnten z.B. in den Kitas Regeln vereinbart werden, dass Lebensmittel nicht als Erziehungsmittel eingesetzt bzw. Belohnung und Bestrafung nicht mit Essen in Verbindung gebracht werden. Eine andere Regel könnte heissen, dass Kinder ermutigt werden, neue Speisen zu probieren, aber nicht dazu gezwungen werden. Spielerisches Heranführen kann auch hier kleine Türen öffnen: mit den Fingern essen dürfen, Milchprodukte mit Obst süssen, Fisch mit ein bisschen Sauce anbieten. Zeit und eine entspannte Atmosphäre, der gleiche Platz am Tisch, das Mithelfen beim Tischdecken und Abräumen sind für Kinder massgebliche Faktoren, um Freude am Essen zu entwickeln - denn für Ernährungsempfehlungen interessieren sich die Kinder nicht.
Unsere sechs kihz Kindertagesstätten haben ihre Ernährungssituation aufgrund der Empfehlungen überprüft und es wurden, soweit nötig, Anpassungen vorgenommen. So wurde zum Beispiel der Cateringservice beauftragt, zu jeder Mittagsmahlzeit Gemüse und frischen Blattsalat zu liefern, die Auswahl der Speisen konnte in Zusammenarbeit mit den Caterern verändert werden und die Erzieherinnen rüsten zu jeder Zwischenmahlzeit frisches Obst. Ebenfalls wird versucht, die Kinder soweit wie möglich in die Essensabläufe des Alltags mit einzubeziehen, damit sie selbst aktiv werden können.
Nicht jeden Tag wird es uns gelingen, den Kindern alles schmackhaft zu machen, was sie aufgrund der aktuellen Ernährungsempfehlungen essen sollten. Nicht jeden Tag wird es den Caterern gelingen, die Speisen so zuzubereiten, dass sie geschmacklich die Vorlieben aller Kinder treffen. Und vielleicht wird es auch Eltern nicht jeden Tag gelingen, sich ganz streng an alle Empfehlungen zu halten. Trotzdem trauen wir uns heute dank der vielfältige und praktisch umsetzbaren Hinweise des Ernährungskonzeptes zu sagen: Ja, auch wenn mehrere Akteure an der Ernährung der Kinder beteiligt sind, kann eine gesunde und ausgewogene Ernährung Alltag für unsere Kinder werden. Es scheint uns ein realistisches Ziel zu sein, den Ernährungsempfehlungen jeden Tag möglichst nahe zu kommen. Dann schmeckt’s auch in Zukunft bei kihz.
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